Berlin (AFP) - Die Forschung an embryonalen Stammzellen wird in Deutschland erleichtert. Der Bundestag beschloss mit deutlicher Mehrheit eine einmalige Verschiebung des Stichtags, der im Stammzellgesetz vorgesehen ist. Die Neuregelung ermöglicht deutschen Forschern den Zugang zu Zell-Linien, die nach dem 1. Januar 2002 entstanden sind. Der neue Stichtag ist der 1. Mai 2007. Ein vollständiges Verbot der Forschung mit embryonalen Stammzellen lehnte der Bundestag ebenso ab wie eine weitgehende Freigabe.
Für die Liberalisierung votierten in namentlicher Abstimmung 346 Abgeordnete. 228 Abgeordnete stimmten

, sechs enthielten sich. Der Fraktionszwang wurde für das Votum aufgehoben, das als Gewissensentscheidung galt.
Die Neuregelung wurde unter anderem von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Forschungsministerin Annette Schavan (CDU) und Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) befürwortet. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft sprach sich ebenso

aus wie die Evangelische Kirche in Deutschland. Dagegen hatte die katholische Kirche vor einer Aufweichung des Stammzellgesetzes gewarnt.
Durch die Verschiebung des Stichtags werde das ethische Dilemma nicht aufgelöst, das mit der embryonalen Stammzellforschung verbunden sei, sagte Schavan in der Debatte. Das Gesetz werde aber so weiterentwickelt, dass ein schmaler Korridor für verantwortungsbewusste Forschung erhalten bleibe. Der Autor des Gesetzentwurfs, der SPD-Abgeordnete René Röspel, sagte: "Mit einer Verschiebung des Stichtags wird kein einziger Embryo zerstört."
Andere Abgeordnete äußerten in der Debatte die Überzeugung, die Lockerung der Stichtagsregelung sei unnötig und unethisch. "Kein Mensch ist mit embryonalen Stammzellen geheilt worden", sagte der CDU-Politiker Hubert Hüppe, der sich für ein vollständiges Verbot eingesetzt hatte. "Es geht heute nicht um die Verschiebung eines Datums, sondern um eine Verschiebung unserer Ethik und unserer Normen." Nur 118 Abgeordnete stimmten für Hüppes Antrag. 442 Abgeordnete sprachen sich gegen das vollständige Verbot aus.
Die Grünen-Politikerin Priska Hinz kritisierte, es gebe "überhaupt keine überzeugende Begründung" für die Verschiebung des Stichtags. "Wenn man einmal verschiebt, kann man ein zweites und ein drittes Mal verschieben", sagte die Abgeordnete, die sich

eingesetzt hatte, den bisherigen Stichtag beizubehalten und lediglich die Strafandrohung gegen deutsche Forscher aufzuheben, die im Ausland an Stammzellen forschen.
(yahoo.de)