Bogota (AP) Frankreich ist mit dem Versuch gescheitert, der kolumbianischen Geisel Ingrid Betancourt den Weg in die Freiheit zu ebnen. Das Außenministerium in Paris beschloss die Abreise der nach Kolumbien geschickten Gruppe, deren Mission auch von Spanien und der Schweiz unterstützt wurde.
Die Geiselnehmer der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) erklärten am Dienstag im Internet, die einseitige Freilassung von Geiseln sei beendet. Nach der Freilassung von sechs Gefangenen seit Jahresbeginn sei jetzt die kolumbianische Regierung am Zug. Die Guerilleros fordern den Abzug der Streitkräfte aus zwei Bezirken und die Freilassung von mehreren hundert inhaftierten Gesinnungsgenossen. Betancourt werde nur im Rahmen eines solchen Austauschs freigelassen, erklärte die FARC.
Die Mitteilung der Guerilleros trägt das Datum 4. April. An diesem Tag landete ein Lazarettflugzeug aus Paris mit zwei Ärzten und zwei Diplomaten in der kolumbianischen Hauptstadt Bogota. Frankreich habe die Aktion vorher nicht mit der FARC abgesprochen, hieß es in der Mitteilung. «Wir reagieren nicht auf Erpressung oder Medienkampagnen», erklärte die Rebellenführung.
Das Büro von Nicolas Sarkozy erklärte, der französische Staatspräsident sei sehr enttäuscht. Er bleibe weiter entschlossen, die Freiheit von Betancourt und allen anderen Geiseln zu erreichen. Betancourt besitzt neben der kolumbianischen auch die französische Staatsbürgerschaft. Vor der französischen Initiative hatte Venezuela eine Vermittlungsmission gestartet. Der venezolanische Präsident Hugo Chávez nahm Kontakt mit der FARC-Führung auf, überwarf sich dann aber mit der kolumbianischen Regierung.
Die vor sechs Jahren verschleppte ehemalige Präsidentschaftskandidatin Betancourt ist nach Angaben von Angehörigen und freigelassener Geiseln lebensbedrohlich erkrankt. Die 46-Jährige soll an Hepatitis B und einer Tropenkrankheit leiden.